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    07.02.2011
    12:42

    Kinder der Finsternis

     

    Es ist nicht ungewöhnlich, dass Werke der Weltliteratur - jährt sich ein Todestag des Autors beispielsweise - wieder neu entdeckt werden.

    Selten steht dabei die "Berechtigung" darüber, die Leser mit längst vergessenen Autoren erneut behelligen zu dürfen, außer Frage. Nur allzu oft entstammen solche "Entdeckungen" einem ohnehin bewährten, weil behaupteten Kanon.

    Anders verhält es sich jedoch mit Wolfgang von Niebelschütz' "Die Kinder der Finternis". Die Reaktionen über diesen 1959 erschienenen historischen Roman könnten sich unterschiedlicher nicht ausnehmen: von "Kitsch höchsten Ranges" über "unlesbarer Schwulst" bis "sprachlich brillant" und "einzigartige Sprachkraft" verlauteten die Urteile.

    Unabhängig davon, welche Position der Leser hierbei bezieht, eines dürfte jedoch gewiss sein: "Die Kinder der Finstenis" ist ein Leseerlebnis der besonderen Art.

    Der Roman, dessen Handlung in das 12. Jahrhundert der heutigen Provence transportiert wurde, erzählt von Leben und Aufstieg des als Bastard geborenen Hirtenjungen Barral. Allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Widerständen zum Trotz gelingt es dem intelligenten und selbstbewussten Barral, die Herrschaft über eine Provinz zu erlangen...

    Niebelschütz spinnt die fiktive Geschichte eines Hirtenjungen vor einem auf realen Ereignissen basierenden Kontext. So finden ebenso die religiösen Konflikte der Zeit, wie auch Friedrich Barbarossas Feldzüge Eingang in den Roman.  

    Dabei lässt der Autor ein lebendiges, buntes und facettenreiches Bild des Mittelalters entstehen, ohne die Lebenswirklichkeit der Protagonisten zu schönen. Es ist aber vor allem die von kraftvoller Poesie durchdrungene Sprache - manchmal abgründig düster, dann wieder detailverliebt und farbenprächtig - welche den Ereignissen des Romans Glaubwürdigkeit und Ausdruck verleiht. Dass von Niebelschütz zudem in vielen Teilen beharrlich und konsequent mittelhochdeutsche Lexik verwendet, mag das Lesen zuweilen beschwerlich machen. Gleichwohl erzeugen mittelalterliche Begriffe, Anekdoten und regionale Varietäten ein authentisches und lebendiges Bild der Zeit.

    Eine würdige Wiederentdeckung.

     

    Preis: 24, 90 €

    Verlag: Kein & Aber

     

    Der Titel ist bei uns im Laden vorrätig, kann aber auch online bestellt werden.

     

    Rezension von Christoph Bihl

    __________

     

     

    Sophie Canonne(sophie.canonne@unibuch-kassel.de)PermalinkTrackback-Link Views: 1070
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