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    29.08.2011
    18:00

    Nemesis

    Den ersten Poliofall in jenem Sommer gab es Anfang Juni, kurz nach dem Memorial Day, in einem armen italienischen Viertel auf der anderen Seite der Stadt.

    Newark im Juli 1944, ein erdrückend schwülheißer Sommer.

    Der junge Sportlehrer Bucky Cantor ist aufgrund seiner starken Kurzsichtigkeit einer der wenigen jungen Männer, die im letzten Kriegsjahr nicht zum Militär eingezogen werden.

    Als pflichtbewußter und sportlicher Mann empfindet er diesen Umstand als Makel und widmet sich umso hingebungsvoller der Aufgabe, seine Schüler während der Sommerferien auf einem Sportplatz beim täglichen Baseballtraining zu betreuen.

     

    Überschattet wird das kameradschaftliche Zusammensein von einer sich schleichend ausbreitenden Polioepidemie,die zu jener Zeit noch unheilbar ist. 

    Noch ist der Stadtteil Weequahic verschont geblieben, dies ändert sich rasant, als eine Gruppe italienischer Jugendlicher am Rande des Sportplatzes auftaucht, mit der Drohung, im jüdischen Viertel Newarks die Krankheit ausbreiten zu wollen.

    Cantor stellt sich tapfer der 10köpfigen Gruppe entgegen und wird für seine Jungs zum Retter und Helden.

    Doch in der Folgezeit wird ein Junge nach dem anderen erkranken und für den tapferen Sportlehrer, der sich um die betroffenen Familien kümmert, erhebt sich eines Tages die entscheidende Frage: Soll er in der erdrückend heißen, heimgesuchten Stadt standhalten und sein Leben riskieren aus Pflichterfüllung und Freundschaft zu den Kindern

    oder die verlockende Chance wahrzunehmen und den Sommer als Schwimmlehrer in einem Jugendcamp in den Bergen bei kristallklarer gesunder Luft und in Gesellschaft seiner geliebten Freundin verbringen.

     

    Und gibt es überhaupt noch einen Ausweg, kann der Mensch seiner Bestimmung entrinnen?

     

    In einer wunderbar klaren Sprache bringt uns Philip Roth das Schicksal dieses Einzelkämpfers nahe, der im Laufe seines Lebens immer wieder die Frage nach der Existenz eines gerechten Gottes stellt und daran verzweifelt.

     

    Autor: Phillip Roth

    Preis: 18,90 €

     

    Der Titel kann bei uns im Laden und über unseren Onlineshop bestellt werden.

    23.12.2010
    15:24

    Tauben fliegen auf, Melinda Nadj Abonji

     

    "Wir haben hier noch kein menschliches Schicksal, das müssen wir uns erst erarbeiten."

    Diese Feststellung, ausgesprochen von der Mutter, charakterisiert treffend die Situation der ungarischen Familie Kocsis in der Schweiz.

    Einige Jahre vor Ausbruch des jugoslawischen Bürgerkriegs wandern die Eltern der Ich-Erzählerin Ildiko aus.

    Ildiko und ihre jüngere Schwester Nomi bleiben zurück in ihrem Heimatdorf in der Vojvodina im Norden Serbiens, betreut von der heißgeliebten Großmutter, ihrer Mamika.

    Als die Mädchen nachziehen und wenig später gemeinsam mit den Eltern ein kleines Restaurant betreiben, beobachtet Ildiko immer wieder Anzeichen von Fremdenfeindlichkeit, die ihre Eltern als eingebürgerte Schweizer zu übersehen versuchen.

    Irgendwann eskaliert die Situation und Ildiko zieht ihre Konsequenzen.

     

    Wunderbar geschildert werden die Heimfahrten, die üppig ausgestatteten Familienfeste, die Eigenheiten von Onkeln und Tanten, vor allem aber die Ausbrüche des Vaters, der zentralen Figur im Leben von Ildiko.

    In den Geprächen mit Mamika wird Ildiko einiges klar.

    Bedrohlich die immer wieder schwelenden und bisweilen aufbrechenden Konflikte zwischen den Menschen unterschiedlicher politischer Ausrichtungen und Ethnien, die im Privaten anzeigen, was sich in der Heimat Jugoslawien anbahnt und schließlich zum Krieg eskaliert.

    Auch sprachlich ein eindrucksvolles Buch - und völlig zu Recht mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet!

     

    Preis: 22,- €

    Verlag: Jung und Jung

     

    Der Titel ist bei uns im Laden vorrätig, kann aber auch online bestellt werden.

     

    Rezension von Brigitte Bischoff

    __________

     

     

     

     

    17.11.2010
    17:53

    Bartimäus - Der Ring des Salomo, J. Stroud

     

    Endlich ein weiterer Teil in der Bartimäus Reihe. Diesmal muss der zynische Dschinn seine Abenteuer zu Zeiten König Salomos um 950 v. Chr. bestehen. Und auch diesmal besticht er nicht nur durch seine schlitzohrigen Taten, sondern vor allem durch sein ausgeprägtes und freches Ego. Bartimäus wird von dem glubschäugigen Khaba beschworen, einem der 17 Zauberer Salomos, um einen neuen und glorreichen Tempel zu bauen. Asmira, eine Wächterin der Königin von Saba, wird damit beauftragt König Salomo zu töten und dessen magischen Allmacht-Ring zu nehmen. Schon bald treffen beide aufeinander und die Abenteuer können beginnen...

    Auch in diesem Teil schafft es Stroud mit viel Witz und vor allem Sarkasmus den Leser zu begeistern. Das Buch besitzt zwar nicht so viel Tiefe wie die Trilogie, allerdings werden auch hier wieder Themen wie der Sinn von Stolz, Treue und Fanatismus angesprochen. Wer Bartimäus flapsige Art mag, sollte auf dieses Buch auf keinen Fall verzichten.

     

    Preis: 18,99 €

    Verlag: cbj

     

    Der Titel ist im Laden vorrätig, kann aber auch online bestellt werden.

     

    Rezension von Thore Valendzik

    __________

    02.10.2010
    12:39

    Einladung an die Waghalsigen, Dorothee Elmiger

    LESEN!

     

    „Einladung an die Waghalsigen“ ist der Debüt-Roman von Dorothee Elmiger.

    Es ist ein Buch über die verzweifelte Suche zweier Jugendlicher nach einem Ausweg aus einer trostlosen Gegenwart. Erinnerungen aus gelesenen Büchern werden zur scheinbaren Wirklichkeit, weil die Realität leblos, lieblos und hoffnungslos scheint.

    Der Leser begleitet zwei junge Schwestern, Fritzi und Margarete, auf ihrer Suche nach dem Fluß Buenaventura, der ihr geliebtes Land aus der „Ausweglosigkeit“ befreien kann. Getrieben von der Liebe und der Hoffnung erzählt die ältere Schwester von ihren Erlebnissen und Gedanken. Die dabei entstehenden Bilder gestatten es dem Leser seine eigenen Metaphern zu finden und die Geschichte einer Jugend ohne Perspektive in jede Gesellschaft zu übertragen.

    Sprachlich wird der Leser immer wieder überrascht; mal philosophisch geprägt oder technokratisch kalt und exakt formuliert. Geschickte Intonationen bringen den Leser zum nötigen Nachdenken. Poetische Elemente der Romantiker werden mit Beamtendeutsch verwoben. Durch dieses Spiel mit der Sprache und dem Wechselspiel zwischen trister Wirklichkeit und blumiger Realität der Bücher wird dem Leser die Verzweiflung der Jugend genauso eindrucksvoll vermittelt, wie der eiserne Wille zur Veränderung.

     

    Preis: 16,95 €

    Verlag: DuMount

     

    Der Titel ist im Laden vorrätig, kann aber auch online bestellt werden.

     

    Rezension von Mike Trepte

    __________

     

     

    23.09.2010
    18:53

    Das Kaninchenhaus, Laura Alcoba

     

    Die junge argentinische Autorin erzählt in ihrem Debutroman eine Episode aus dem Leben eines Kindes in der Zeit der argentinischen Militärdiktatur Mitte der 70er Jahre.
     
    Die 7jährige Laura teilt mit ihrer Mutter das Leben im Untergrund. Ein kleines Haus am Stadtrand von La Plata wird ihr Versteck, das sie mit anderen "Montoneros" teilen. Der Ingenieur, der verantwortlich ist für die Konstruktion einer doppelten Wand, ist ein leidenschaftlicher E.A.Poe Leser. Insbesondere fasziniert ihn die Erzählung "Der entwendete Brief", deren Prinzip er sich beim Bau des Verstecks zu eigen macht:
    "Am besten versteckt ist, was zu offensichtlich ist."
    Wird dieser Grundsatz Laura und ihre Mitbewohner auf Dauer schützen?
     
    Der Autorin gelingt in ihrem autobiografischen Roman eine überzeugende Darstellung der Fähigkeit eines Kindes, mit Ungewissheit und Angst umzugehen und dabei Anpassungsfähigkeit und Hoffnung zu entwickeln.
    Ein spannendes, politisches und sehr persönliches Buch.

     

    Preis: 15,90 €

    Verlag: Insel

     

    Der Titel ist im Laden vorrätig, kann aber auch online bestellt werden.

     

    Rezension von Brigitte Bischoff

    25.08.2010

    ___________________

     

     

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